Konzertkritik-3

Finnischer Tango in der Deutschen Oper am Rhein

Veröffentlicht im Kulturteil der Rheinischen Post vom  18. Oktober 2011 und auf RP-Online.

Im frühen 20. Jahrhundert lag ganz Europa im Tangofieber. Damals kehrten viele nach Süd-Amerika ausgewanderte Emigranten in ihre Heimat zurück. Im Gepäck hatten sie Neues, Fremdländisches, Exotisches – darunter auch den argentinischen Tango. In Finnland fiel er auf fruchtbaren Boden.

Die Finnen verstanden ihn als Möglichkeit, die missliche Lage ihres Landes unter russischer Herrschaft auszudrücken. Auf seiner leidenschaftlichen und erotischen Charakterzüge verzichteten sie. Vielmehr kreierten sie eine neue, melancholische Art des Tangos und schenkten ihm eine nordisch inspirierte Poesie. Noch heute ist Finnland nach Argentinien die tangovernarrteste Nation der Welt. Wie sehr, das bewiesen nun die finnischen Sängerinnen und Sänger der Rheinoper. Mit einem feinen Ensemble aus Klavier, Akkordeon, Schlagzeug, Violine und Kontrabass und (ganz wunderbar) vier Tänzern des Hausballetts präsentierten sie im Foyer die Herrlichkeit des Finn-Tangos in seiner ganzen lyrischen Pracht. Der Vollmond! Der verlassene Dorfweg! Die Liebe! All dies wurde mit inniger Seele besungen. Dem Publikum, das nach einem Kurz-Tanzkurs von Timo Riihonen (Bass) zum Tanzen aufgefordert war, wurde traurig-ehrlicher und trotzdem mitreißender Tango präsentiert. Kein Fuß stand still.