Konzertkritik-5

Jugendsinfonie der Tonhalle Düsseldorf

Veröffentlicht in der Rheinischen Post vom 1. März 2012 und auf RP-Online.

Es sind Märchen wie das vom Däumling, von Dornröschen oder der Schönen und dem Biest, die der französische Komponist Maurice Ravel in seiner träumerischen Orchestersuite "Ma mère l'oye" ("Meine Mutter, die Gans") von 1911 erzählt. Und wie ein solches Märchen gestaltete sich auch der Konzertabend, den das Jugendsinfonieorchester der Tonhalle nun bot. Gleich der Beginn mit dieser Suite von Maurice Ravel gab sich vielversprechend und erhaben: So gespannt und mystisch erzählten die jungen Musiker die Sagen und Geschichten von Feen und Königinnen, dass man kaum zu atmen wagte.

Auch die Uraufführung der "Nachtsicht II" von Peter Gahn geriet dem Orchester unter der Leitung von Ernst von Marschall verwunschen und nachdenklich. Das Rauschen der Autos und des Rheins, die Schritte von Fußgängern, die über eine Brücke laufen: Es waren die Geräusche vom Nebeneingang der Tonhalle bei Nacht, die der in Düsseldorf aufgewachsene Komponist in seinem Werk verarbeitet. Das tat – auch den Musikern – ein bisschen weh und war nicht allzu schnell zu erfassen (obwohl es, großartig, zweimal gespielt wurde). Als Tonkunst beeindruckte und verstörte das 15-minütige Werk den Zuschauer zugleich.

Ganz und gar nicht verstörte die zweite Symphonie in D-Dur von Johannes Brahms. Sie war zwar nicht immer ganz scharf und rein, aber aus jedem Crescendo, jedem Tosen des letzten Satzes hörte man den Enthusiasmus und die Freude junger Menschen, die zusammen mitreißende Musik machen.