Konzertkritik-1

Mazurken zum verlieben

Veröffentlicht in der Rheinischen Post vom 28. Februar 2011 und auf RP-Online.

Die Mazurken werden es sein, die den Zuhörern des Klavierabends mit Iddo Bar-Shaï im Gedächtnis bleiben werden. Jene Stücke die, inspiriert von polnischen Volkstänzen, von Frédéric Chopin und Alexander Skrjabin komponiert wurden.

Die Auswahl, die der 1977 in Nazareth geborene Pianist während der ersten Hälfte des Abends im Bechstein-Centrum an der Grünstraße vorträgt, ist in Moll gehalten. Sie sind träumerisch, melancholisch, nachdenklich. Mit einer Hand sich selbst dirigierend, beginnt Bar-Shaï zu spielen, in die Musik einzutauchen und seinen Hörern feine, räumliche Bilder von Gefühlslandschaften zu malen. Nie erliegt er der Versuchung, schnell über Passagen hinweg zufliegen; alles behandelt er mit einer innigen Sorgfalt und Ernsthaftigkeit, die seinem Spiel Tiefe verleiht.

Wie aus einer Trance erwachen Künstler und Publikum am Ende des ersten Teils, der, nach der Pause, auf eindrucksvolle Weise mit Klaviersonaten von Wolfgang Amadeus Mozart, Domenico Scarlatti und Joseph Haydn fortgesetzt wird, wobei ihm besonders Letztere (D-Dur Hob. XVI:24) bravourös fesselnd und inspirierend gelingt.